❓ 90.000 Zuschauer bei der Klangwolke? Sicher? Ganz sicher???
LINZ. Seit Jahrzehnten werden – ganz traditionell – fast schon unglaubliche Besucherzahlen aus dem Donaupark kommuniziert.
Zeit für einen der oft so beliebten Faktenchecks!
Wie geht das? Gestern sollen 90.000 Besucher die heurige visualisierte Klangwolke angesehen haben. Doch kann das stimmen? Wie wurden die Besucher gezählt? Und wie konnte diese große Menschenmenge die dann doch recht kleine LED-Wand am Schiff sehen, um der Inszenierung zu folgen?
Doch der Reihe nach.
Als im Juli der Donaupark beschallt wurde, waren auf einer etwa halb so großen Fläche anscheinend nur etwa 10.000 Menschen beim Open-Air-Konzert.
Konkret wurde von „rund 10.500 Besuchern“ im Donaupark berichtet, das Rap-Konzert soll dabei ausverkauft gewesen sein. Zwei Tage zuvor sollen bereits rund 9.500 Menschen einem österreichischen Gesangsduo gelauscht haben.
Die zwei Ahoi-Konzerte wurden vom Posthof veranstaltet. Der gehört zur LIVA – und die LIVA ist auch der Veranstalter der Klangwolken. Bei der Kinderklangwolke und der klassischen Klangwolke gibt es aber in Sachen Besucherzahlen zumeist keine großen Jubelmeldungen.
Das Ahoi-Festivalgelände erstreckte sich im Sommer über Teile vom Donaupark (Wiesenfläche) bis hinauf zur Donaulände im von Bäumen geprägten Parkteil. Dort wurde unter anderem Essen verkauft und Containertoiletten standen auch im Park.
Alle Fans, die etwas sehen wollten, mussten die Darbietungen aber zumindest vom Sternenweg aus ansehen oder eben auf der Böschung bzw. der ebenen Wiesenfläche.
Das Setup entsprach also bis auf einige wenige Aussichtscontainer exakt dem der gestrigen Klangwolke. Wobei gestern, wie schon im Vorjahr, eine weiße Linie entlang des Promenierwegs gezogen wurde, der sollte frei von Zuschauern bleiben. Als Fluchtweg.
Gestern konnten die Besucher auf einer deutlich längeren Fläche zwischen Lentos und der Nachklangwolkenbühne (auf Höhe des Hotels) uneingeschränkt auf die Donau blicken. Dieser Bereich wird auch von insgesamt 7 Boxentürmen beschallt.
Dazwischen wurde auf der Donau ein Schiff mit großer LED-Wand platziert. Der Fokus der Klangwolke war also eine 42 Meter breite und 15 Meter hohe Leinwand auf einem Schiff. Die dort gezeigten Videos waren ein zentraler Bestandteil der Aufführung, ohne Bild gab es wenig Erkenntnis.
Schaut man sich nun die Fläche an, so erkennt man unschwer: 90.000 Menschen haben dort wohl kaum Platz.
Vor allem wenn auch viele der Menschen mit Decken kommen, und sogar mit eigentlich nicht mehr gestatteten Sitzmöbeln, somit also relativ viel Platz brauchen.
Grob gerechnet belegte das Ahoi etwa die halbe Fläche der beschallten Klangwolkenfläche. Und nur von dort war die große Leinwand (sowie die kleinen Boote) auch halbwegs gut zu sehen. Die Konzerte kamen ohne den sandigen Gastrobereich aus, doch dafür stand gestern vor dem Brucknerhaus eine kleine Tribüne und auch andere Aufbauten (Regie, Zuschauercontainer, Werbemittel, Sträucher und Bäume) haben für Zuseher die Sicht komplett verstellt, waren also als Zuschauerbereich nicht geeignet.
Die oft bemühte Milchmädchenrechnung (Milchbuben mitgemeint) ergibt nach dem Blick auf die Flächenverfügbarkeit wohl eher keine 90.000 Besucher, das geht sich schlicht nicht wirklich aus.
Ein weiterer Hinweis auf eine etwas groß geschätzte Besuchermasse findet sich übrigens in den Archiven.
Denn im Jahr 2021 war das Gelände weitläufig eingezäunt, man musste sich im Vorfeld registrieren und man wurde beim Eintritt penibel auf die damals gültige 3G-Regel kontrolliert.
In den damals sehr vollen Donaupark kamen laut Veranstalter letztlich 40.000 Personen.
Glaubt man Insidern, so sollen es sogar nur rund 36.000 Besucher gewesen sein. Die teils analog ausgefüllten „Meldezettel“ wurden dann – so lautet die Erzählung – übrigens noch eine Zeit lang in einem Büro im Brucknerhaus gelagert. So wollten es die damals geltenden Regeln der Regierung.
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