🔎 OHA: Auf dem Demo-Übersichtsfoto fehlen augenscheinlich 9.034 Teilnehmer auf die berichteten 10.000!
LINZ. Nanu, rutschte hier vielleicht eine Null in die Berichte?
Keine Berichte ungeprüft und 1:1 von Aussendern übernehmen – so lautet ein Grundsatz in der Medienwelt. Check, Recheck und nur ja keine Fake News, bitte.
Rutschte hier eine Null in die Berichte? Auf einem Übersichtsfoto der Demo sind aber nur 966 Personen zuzuordnen. Wo sind die 9.034 fehlenden Menschen?
„Trotz knapp 40 Grad zogen heute Nachmittag gut 10.000 Menschen über die Linzer Landstraße …“, wurde am Samstag berichtet. Mehrere Medien titelten mit 10.000 Teilnehmern bei der Linz Pride.
Gestartet wurde am Volksgarten, und wer den Park kennt, wird sich dort vor dem Musiktheater 10.000 Menschen nur schwer vorstellen können. Zumal nun weite Teile gesperrt sind: Ein Nebelspiel wird installiert, der Hauptweg durch den Park ist eine Baustellenzufahrt.
Der Demonstrationszug bewegte sich jedenfalls dann über die Landstraße zum Hauptplatz, wo die ersten Polizeibeamten (u. a. auf zwei Fahrrädern) als Demospitze um 14:44 Uhr die Ausfahrt der Klosterstraße passierten.
Die Demo rückte dann auf den Platz vor und es kam gegen 14:51 Uhr vorne zu einem Zwischenhalt samt geplanter Schweigeminute („für einen würdigen, ruhigen Moment“).
Um etwa 14:56 Uhr erreichte der hintere, kleine weiße Transporter vom letzten Demoblock auch den Hauptplatz.
Mehrere Minuten verharrten dann die Menschen am Platz. Einige stellten sich in den Schatten der Häuserfront, vielleicht suchten auch mehrere Teilnehmer irgendwo eine Toilette auf oder betraten umliegende Geschäfte. Dieser Zeitpunkt war wohl das Highlight der Demonstration, also ein sicher für alle Teilnehmer wichtiger Moment den man nicht versäumen möchte.
Exakt um 14:57:49 Uhr wurde eine Übersicht (hochauflösend) vom Hauptplatz fotografiert.
Der Demozug stand dann eine Weile (ohne großes Schweigen) und setzte sich gegen 15:01 Uhr langsam wieder in Bewegung. Die Route führte dann weiter auf die Donaulände Richtung Lentos hinunter.
Bereits am Samstagabend kursierte eine fast unglaubliche Teilnehmerzahl von 10.000 Personen. Anhand eines Bildes vom Hauptplatz und mit etwas Zeitaufwand wurde diese Zahl einer Überprüfung unterzogen.
Die Methodik dafür war einfach: Jede Person am Hauptplatz wurde mit einem Punkt markiert. Da selbst moderne Kameratechnik nicht durch die Dreifaltigkeitssäule hindurchsehen kann und einige Personen von den kleinen Kistenlinden verdeckt wurden, kann es bei der Zählung zu minimalen Abweichungen gekommen sein.
Insgesamt wurden 966 Personen gezählt. Die Zahl weicht von den berichteten Teilnehmern also um 9.034 ab. Ein nicht gerade kleiner Rundungsfehler.
Nicht mitgezählt wurden:
1 Mitarbeiter der Linz AG, der die Bimsperre koordinierte
1 Lieferfahrer mit E-Moped
2 Polizisten
2 Radfahrer
3 Passanten, die Richtung Klosterstraße gingen
sowie mehrere Personen, die in Gastgärten verweilten.
Die berichtete Zahl ist jedenfalls um den Faktor 10,35 höher als die gezählte Menge am Foto. Man kann also sagen: Die Abweichung beträgt rund das Zehnfache.
Und falls jemand nun eine Idee hat: Nein, die Demonstration staute sich nicht bis zum Schillerpark zurück; die letzten Teilnehmer hatten bereits den neuen Hühnerbrater passiert.
In Wien waren es angeblich sogar über 300.000 Teilnehmer bei der heurigen Pride – vielleicht hat ja jemand ein gutes Übersichtsbild und kurz Zeit zum Zählen …
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